Eine Villa, Hans Fallada, ein Urlaubsresort, Kurt Tucholsky und ein Schloß

Eigentlich sollte es nach Thüringen gehen, zum Radfahren, Höhenmeter sammeln und liebe Menschen treffen. Aber der kurzfristige Fast-Wintereinbruch und spontan eintrudelnde Arbeit bewogen uns zu einer Planänderung. Stattdessen ging es für 2 Tage in die Uckermark und in's Ruppiner Land.

Angekommen

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Am frühen Abend trafen wir in der 1905 erbauten Villa Hullerbusch ein. Da wir die einzigen Gäste waren, kamen wir quasi als Gutsherrinnen in den Genuß der ungeteilten gastfreundlichen Aufmerksamkeit des familiär geführten Hotels: Ich habe schon lange nicht mehr einen so gemütlichen Abend mit so gutem Essen verbracht. Ein Aperitif mit Basilikum, Ginger Ale, Prosecco. Die Suppe verriet feine bodenständige Küche, das Rumpsteak war gutes Fleisch perfekt zubereitet.

weichselkirsche an crema.

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Zum Frühstück gab es selbstgemachte Marmelade (unter anderem lecker Holunderbeere, was ich schon für höhere Kunst halte, wenn man weiß, wie sauer die Beeren sind) und eine freundliche Unterhaltung mit der Herrin des Hauses. Einen besseren Einstieg in ein paar Tage Erholung für das geplagte Städterherz kann es gar nicht geben.

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Für den 1. Tag stand ein Besuch im Fallada-Haus in Carwitz an. Vor einigen Jahren hab ich öfter mal Motorrad-Enduro-Ausflüge nach Carwitz gemacht mit den Berliner Freunden der Africa Twin. Die Gedenkstätte war mir damals schon aufgefallen, aber der Name sagte mir so gar nichts. Das änderte sich mit einem Feature im WDR Zeitzeichen: "Fallada ist ein entarteter Psychopath und hat eine unglückliche Veranlagung", so lautet das gerichtsmedizinische Urteil. Wer sich mal näher mit ihm beschäftigen möchte: es gibt ein Graphic Novel, das ich in Carwitz erstand. Demnächst soll es auch eine Ausstellung dazu geben.

Sein Haus in Carwitz hat eine ganz eigene Stimmung, ein Besuch ist empfehlenswert. Allerdings war ich etwas irritiert von den Schildern, mit denen man sogleich empfangen wird. Mehrmals wird darauf hingewiesen, daß doch bitte Eintritt zu zahlen sei, auch wenn man nur den gut eingezäunten Garten betreten möchte. Auch für Fotografieren wäre ein Euro zu entrichten. Aber es gäbe eine Facebook-Seite, die man doch bitte liken solle. Dafür muss man jedoch nicht zahlen. Und auf der Seite selbst wird gleich angekündigt, daß dort keine Antworten gegeben würden, man möge bitte per Email Kontakt aufnehmen. Meine Motivation bei so viel Reglementierung für das zu restaurierende Bienenhaus zu spenden war gleich Null. Und ich frage mich immer noch, was wohl passieren wird, wenn man einfach trotzdem Fotos macht. Streisand-Effekt lauert um die Ecke. Und wofür? Ernsthaft: ich werfe gerne etwas in eine Spendendose oder würde sofort einen Fallada-Honig kaufen, um einen solchen Ort lebendig zu erhalten. Aber heutzutage eine Fotogebühr? Womöglich nur für eine "private" Nutzung, bei der in keinster Weise klar ist, was genau damit gemeint wäre? Für mich besteht ein großer Teil des Vergnügens eines solchen Ausflugs darin, meine Eindrücke auch als Foto in Echtzeit mit meiner digitalen Peergroup zu teilen. Dabei entstehen Gespräche. Damit mache ich gleichzeitig auch einen Werbekanal auf und bringe Menschen auf die Idee, diese Orte auch zu besuchen, die sonst vllt nichts davon wüssten. Ein Ort wie das Fallada-Haus mit dem Archiv und den Veranstaltungen dort lebt doch letztlich von vielen BesucherInnen und davon, daß darüber geredet wird.

Magnolienzimmer ist unsers!

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Da wir das Fallada-Haus nicht fotografieren durften, hier noch ein Bild vom Magnolien-Baum, den wir aus unserem Zimmer in der Villa Hullerbusch sehen konnten.

Nächste Station war ein Urlaubsresort in der Nähe von Rheinsberg. Eigentlich stehe ich solchen Massen-Urlaubsbehältern eher skeptisch gegenüber, aber hier fanden wir zu einem guten Preis die Möglichkeit, uns bei ein paar Zügen im Schwimmbad sowie in der Sauna ausgiebig zu erholen. Der Service war unkompliziert und flexibel, die Aussicht auf den kleinen Hafen-Dorfplatz beim Frühstück war mal was Anderes. Einziger Minuspunkt: der Kaffee zum Frühstück, der nach so gar nichts schmeckte. Schade, denn das Frühstück war ansonsten reichhaltig.

#rheinsberg

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Das Wetter meinte es gut mit uns für die letzte Station, das Schloß Rheinsberg. Auch hier muss für das Fotografieren im Schloß drin eine Gebühr von 3,- € entrichtet werden. Kann ich bei dem Aufwand, den die Restaurierung dort braucht, noch halbwegs nachvollziehen. Allerdings auch nur zur privaten Nutzung und Zack, schon stehste mit Deinem privaten oder nicht-kommerziellen Blog schon wieder mit einem Fuß auf der falschen Seite des Gesetzes. Naja. Nicht alles, was man gesetzlich durchdrücken kann, muß man auch in die Tat umsetzen.

#Tucholsky #rheinsberg 1. Veröffentlichung 1907

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Ganz anders dagegen im Tucholsky-Museum, fotografieren ausdrücklich erlaubt, da hab ich doch gleich mal gerne was in die große Spendenbox geworfen und will Euch neugierig machen mit der wie ich finde vielversprechenden 1. Veröffentlichung.

Von der Gutsherrin in's Armenhaus #FahrtVorbei

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Für den Rückweg machten wir noch einen kleinen Schlenker über Altlandsberg für ein Abendessen im Armenhaus, in dem früher mal die Armen-Herberge war. Direkt unter dem Stadttor an die Stadtmauer gebaut.

Preußischer Ausklang

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Zu Hause angekommen konnten wir die Bestellung aus der Preussischen Spirituosen Manufaktur noch ergänzen um den Wein aus Rheinsberg (Sonderabfüllung aus dem Weingut Mett & Weidenbach in Ingelheim, Rheinhessen) und genehmigten uns einen Ingwerlikör als Betthupferl-Alkohölchen. Alles in allem eine sehr gelungene Tour, die ich in der Form absolut weiterempfehlen kann. Gerade in der noch nicht so vollen Vorsaison. Die Wetterkapriolen haben uns nichts ausgemacht, denn wir waren überwiegend drinnen. Die ganzen Museumsbesuche und Schloßführung hätten wir bei besserem Wetter sicher nicht gemacht und wir träumen nun davon, mal im Sommer wiederzukommen zum Paddeln, Radfahren und Schwimmen.

Feed für diesen Eintrag

  • Max am Discord 48, 3182, 15:53

    Ja, Rheinsberg ist immer schön und bietet viel.
    Schon damals, als meine Mutter mal für eine längere Zeit im Sanatorium Hohenelse arbeitete, fand ich das kleine klassische Städtchen irgendwie interessant.

    Hin und wieder zieht es mich dort hin. Meinen Zivildienst habe ich auch dort verbracht und als Ausflugsziel fürs Mopped ist es auch immer wieder geeignet.

    Gestern war ich quasi auch in der Nähe, in Neuruppin. Zwar nicht um die 'alte' Wohnung zu sehen, aber um das Drachenboot-Rennen zu bestaunen.

  • Regine Heidorn am Discord 48, 3182, 18:07

    Hab schon Deine Bilder gesehen, haben wir uns echt nur knapp verpasst, eigtl war noch ein Halt in Neuruppin auf dem Rückweg geplant :-)

  • Jörn am The Aftermath 32, 3182, 17:42

    Hey Regine wieder!
    Mein Blog hat Dein Blog für den "MeinLiebsterAward" nominiert.
    Es gibt nichts zu gewinnen, es geht nur ums Schreiben und Lesen.
    Freue mich, wenn Du mitmachst!
    Gruß von Jörn
    p.s.: Die ganze Geschichte (auf meinem Blog) unter ...
    https://umdensee.blogspot.com/search/label/MeinLiebsterAward

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