Nachrichten über die Familie Heidorn 4

Nr. 4, Hamburg, 1936.

Sinn der Sippenforschung

Man kann die Sippenforschung in verschiedener Weise betreiben. Einmal sportsmäßig, so wie man Freimarken sammelt. Es herrscht die Leidenschaft, daß man möglichst viel zusammenbekommt und das Gesammelte in hübscher Ordnung hat.

Hierbei wie bei dem zweiten spielt auch die Ruhmredigkeit eine Rolle. Das zweite Motiv wäre nämlich, daß man nicht nur viel und bis ins Mittelalter aufweisen können möchte, sondern daß dazwischen auch vornehme, möglichst geschichtlich renommierte Persönlichkeiten sich befinden.

Sehr sticht von diesen beiden Formen nicht die ab, welche den Erweis rassisch-reiner Abstammung bringen soll, sondern die, für welche das Hauptinteresse ein ideales ist. Dieses fragt nicht: welchen klingenden Nutzen oder welchen Genuß habe ich davon? sondern fragt: wie dient diese Beschäftigung der Erfüllung meiner Menschenaufgabe?

Es wird hierbei vorausgesetzt, daß der Mensch eine Aufgabe hat, und wird weiter behauptet, daß sie nach relativer Erkenntnis in Folgendem besteht: Der Mensch sieht sich als ein Stück der Welt und darum vollständig in ihre, für ihn unleugbare Gesetzmäßigkeit eingespannt; weil er aber so sieht, ist er kraft seines seelischen Apparates verpflichtet, sich gemäß der von ihm gedeuteten Ordnung zu verhalten. Sein Ziel ist dann also nicht, daß er Macht oder Ruhm oder Furcht unter den Mitmenschen genießt oder daß er mit viel Geld viel Genuß hat, sondern daß er schlicht seine Pflicht erfüllt.

Da ihm hierbei nun die Kenntnis seines eigenen Wesens sehr hilft und da infolge der Vererbung hierfür wiederum die Kenntnis der Vorfahren in ihrem Wesen und Verhalten wichtig ist, so wird diese Kenntnisgewinnung ihm das Bedeutsamste bei der Sippenforschung, aber doch nicht das einzige Motiv. Vielmehr liesse sich sagen, daß 3 Linien neben und durch einander dabei hergehen:

  1. die genannte ethische
  2. eine gemüthafte, pietätsvolle,
  3. eine historische

Meine Forschungen über die Familie Heidorn

Heinrich, Heidorn, Harburg-Wilhelmsburg

1. Verbreitung und Herkunft der Heidorns

Vorweg soll bemerkt werden, daß die Schreibweise ei oder ey keine Rolle spielt. Vor Einführung der Standesämter gab es dabei keinen Zwang. So finden wir oft innerhalb der Geschwisterreihe einer Familie beide Arten. Deutlich lassen sich zwei Wohnzentren unserer Sippe feststellen: Hannover bzw. Schaumburg-Lippe, (die Gegend um das Steinhuder Meer) und Schleswig-Holstein (zwischen Elmshorn und Altona). Dabei darf man wohl mit Bestimmtheit annehmen, daß die erstgenannte Gegend als Urheimat der Heidorns anzusehen ist. Der Familienname hat zweifellos seinen Ursprung in dem Ortsnamen "Heidorn" am Steinhuder Meer. Etwa 2 Km östlich von dem Flecken Steinhude liegt das größte Dorf des Freistaates Schaumburg-Lippe, Großenheidorn. Es ist uralt, da sich in der hinter den Ansiedlungen hinziehenden Dünenkette Urnen mit Leichenbrandinhalt gefunden haben. Urkundlich ist der Ort zuerst 1247 genannt. Er wird in den alten Akten sehr verschieden geschrieben. Im "Veheschattregister" (Viehschatz) von 1550 heißt er "Thom Heydorn", im Güter- und Steuerverzeichnis von 1559 "Heidorne", 1645 wird er als "Flecken Heyndore" bezeichnet, während in den Volkszählungsakten der Jahre 1766/68/69 bereits "Großen Heidorn" genannt ist. Man kann daraus schließen, daß sich inzwischen das in der Nähe von Wunstorf gelegene Dorf "Klein Heidorn" abgezweigt hatte. In den ältesten Zeiten breitete sich in der weiten Ebene zwischen Weser, Steinhudermeer und dem Bückeberg ein großer Wald aus, der Dulwald (Sumpfwald). Im östlichen Teil dieses Gebietes entstanden im 12. Jahrhundert Rodungen, die durch die Herzöge von Sachsen und die Grafen von Schaumburg veranlaßt waren. Die freigewordenen Flächen wurden einzelnen Kolonisten zur Urbarmachung angewiesen. Die Ansiedler waren zum Teil freigelassene Leibeigene und andernteils herangezogene Holländer. Die Namen der damals entstandenen Siedlungen tragen fast alle die Endung "hagen". Das kommt daher, weil ihre Gemarkungen sowohl als auch die einzelnen Höfe hohe Hecken oder geflochtene Zäune, sogenannte "Hagen" als Schutzeinfriedung bekamen. So gibt es dort Stadthagen, Sachsenhagen, Hagenburg, Lauerhagen, Hülshagen, Propsthagen, Pollhagen, Münchehagen (von den Mönchen des Klosters Loccum angelegt), Vornhagen, Wendthagen usw. Gehört nun Heidorn auch zu den Hagendörfern? Ja, denn einmal weist die Eigentümlichkeit der Anlage darauf hin, andererseits ist es aus den Urkunden festgestellt, daß die Bewohner der beiden "Heidorn" dieselben Vorrechte und Freiheiten, wie die der übrigen Hagendörfer genossen. Sie waren z. B. als freie Bauern von einigen landesüblichen Abgaben befreit, brauchten kein Zinskorn zu geben, keine Freibriefe zu lösen, sodaß sie freizügig waren, hatten ihre eigenen Bauerntage und vieles andere.

Man darf wohl behaupten, daß die Silbe "Hei" oder "Hey" aus einer Verkürzung des Wortes Hagen entstanden ist, etwa so: Hagen-Hajen-Haj-Hai-Hei. Demnach hätten Hagedorn und Heidorn gleiche Bedeutung.

Wie sind nun Heidorns nach Holstein gekommen? Wenn es mir bislang nicht gelungen ist, genaue Urkunden darüber zu finden, so kann doch durch einen Streifzug in die Geschichte diese Frage ziemlich sicher beantwortet werden. Im Jahre 1110, als Graf Gottfried von Holstein und Stormarn im Kampfe gegen die Wenden gefallen war, übertrug Lothar von Sachsen, der spätere Deutsche Kaiser, dem Grafen Adolf zu Schaumburg die lande von Hamburg bis zur Eider, d. i. etwa bis zur Linie Kiel-Rendsburg. Der neue Landesherr ist als Adolf I., Graf zu Holstein und Schaumburg bekannt, und regierte 1110-1130. Sein Sohn Adolf II. (1130-1164) verbreitete mit unermüdlichem Eifer in diesen den Slaven und Wenden entrissenen Gebieten deutsche Kultur. Er veranlaßte neben Holländern und Westfalen viele seiner engeren Landsleute aus dem Schaumburgischen, sich in den nordischen Gebieten anzusiedeln. Hierin ist auch wohl der Ursprung der bunten Volkstrachten an der Unterelbe zu suchen. In dieser Zeit werden die ersten heidorns nach Holstein gekommen sein, denn es ist merkwürdig, daß sonst nirgends im deutschen Vaterlande der Name Heidorn im größeren Umfange anzutreffen ist.

2. Aus alten Urkunden

Aus dem ältesten Bürgerbuch der Stadt Hannover 1301-1533.

(Bearbeitet von K. Fr. Leonhardt, Verlag Degener & Co., Leipzig 1933 Bd. I.)

  • S. 7. Anno Domini MCCC nono (1309) Isti facti sunt burgenses: Godeke cognatus Heydorn.
  • S. 8. MCCC decimo (1310) Thidericus de Heydorne
  • S. 27. Anno Dom. MCCCXLIII (1343), Johannes Heydorn.
  • S. 28. MCCCXLV (1345), Thidericus Dreiere fid. Volkmarus de Tonse et Johs. Heydorn, crastino Andree.
  • S. 31. (1348), Clawus van Vorste ... Lucie cum quo fid. Johs. Heydorn, Conrad Heydorn ... fid. Johs. Heydorn, frater ejns (Pasce et Mich.)
  • S. 34. (1352), Luderus de Heytdorne fid. Luderus Tetze.
  • S. 56. (1383), Dyderik vamme Heydorn sartor (Schneider) twe jar (steuerfrei).

Aus dem ältesten Pfandregister.

Hannover 1289-1348.

  • Schuldner: 1289 Werneco, 1327 Henricus de Heydorne, 1347 Johan vamme Heydorne, Volkmar van Tonse u. Lüdeke, filius suus, demus et totalis mansio in platea fabrorum (Wohnhaus Str. der Handwerker).
  • Gläubiger: 1289 Hinricus de ...dorne, 1347 Henricus Meyneking, Conradus Tece

Im roten Buch der Kaufleute

Hannover

Desse seullen gheven to litkope (Eintrittsgeld) teyn schillinke Henrik Heydorn unde sine erven (1321).

Aus dem Archiv von Stadthagen

a. Im "Großen Stadtbuch" von Stadthagen werden als neue Bürger genannt:

1462 Ludeke Heydorn, 1533 Heyns Heydorn, 1553 Nolte Heidorenn, Höker. Dabei ist bemerkt "in Stadthagen geboren". An anderer Stelle steht "Hans Koek, de in Nolten Heidorens Huse wonet." Die Witwe Anneke Kreugen hat sich die Leibzucht (Altenteil) in dem Hause von Nolte H. vorbehalten. 1579 wird Nolte Heidorns Stieftochter Margarete erwähnt und 1589 Catarina, die Heidornsche und ihre Tochter.

1603 verspricht Tönnis Everdingk, daß die zwei Morgen Erbland, die er von Hans Bokelmann "mit 40 Thalern an sich gelöset", nach seinem und seiner Frau Engel Heidorns Tode an den gräflichen Leibarzt Meister Berndt Roeseler und dessen zukünftige Frau erblich fallen sollen. 1602 Luder Schütte hat Johann Heidorns in Sachsenhagen Schwester geschwängert. Am 25.9.1709 hat sich Cathrine Margrete Raleffsen, die den Schuster Cord Dahlen von Celle heiratet, ihre eheliche Geburt bestätigen lassen. Ihre Eltern waren Philipp Raleffsen, Schneider in Stadthagen, und Anna Margarete geb. Heydorn zu Auhagen, Tochter des Schneiders Hinrich Heydorn aus Lindhorst und Margarete geb. Gehrland aus Rehburg.

b. Das Buch der Braueramtsberechtigten aus den Jahren 1556-1603.

Darin heißt es zu Anfang: "Dit sünd de namen der bruwer und bruwerschen, welke dat bruwerambth in besitte hebben un de vor oere kinder un kindeskinder de gerechtigkeit hebben, dat se henfurder duth ambth hebben willen, dem rade nich mehr denn einen daler vor ein ider person to gewende verpflichtet syn schoelen."

Unter "Nr. 1. de Overstadt" steht der bereits genannte Nolte Heidorn et Catharina uxor (Ehefrau) und unter Nr. 28 Tönnis Everdingk et Engel Heidorn, secund uxor (2. Frau).

Fortsetzung folgt.

Ein Stammhaus in Loccum, Haus 222 (Kr. Stolzenau)

Stammhaus Heidorn in Loccum

Der große Querbalken der Vorderfront trägt die Inschrift:
GOTT SCHÜTZ DIS HAUS FÜR STURM UND BRANT UND HALT DRÜBER SEINE HANDT GIEB FRIEDE IM HAUS UND GEWISSEN SO KAN MAN AUCH VIEL RUHE GENIESSEN SEGNE IHR PFLANTSEN N.B.G. *KORT HINRICH HEIDORNN TRIENN MARIA WILCKENING *ANNO 1768
Ein Balken der Diele trägt die Jahreszahl 1558.
Die Rückseite zeigt folgende Inschrift:
CORT HINRICH HEIDORN KATTRINA MARRIA WILKENINGS )(GIB MIR O GOTT MEIN TÄGLICH BROT UND WAS MIR ZUM HIMMEL NOT WAS MIR NÜZLICH AUF DER ERDEN UND DORT SELICH LAS MIR WERDEN.1783.

Der jetzige Besitzer des Erbhofes ist August Heidorn. Aus seiner Ehe mit Marie geb. Windheim sind fünf Kinder entsprossen: Drei Töchter und zwei Söhne (Wilhelm 22 Jahre und Heinrich 17 Jahre).

Der Erbauer des Hauses, Cord Hinrich Heidorn, ist gleichzeitig der Stammvater meiner väterlichen und mütterlichen Linie. Er war der Großvater meines Vaters und der Urgroßvater meiner Mutter, da mein Vater eine Tochter seines Vetters geheiratet hatte.

Heinrich Heidorn, Harburg-Wilhelmsburg

Verantwortlich: Wilhelm Heydorn, Altona-Blankenese, Weddigenstr. 1, Druck: Rudolf Bendt, Altona-Blankenese, Weddigenstr. 17

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  • Szamer, Carsten am The Aftermath 3, 3181, 18:34

    Guten Tag und Moin,
    kurz zu meiner Person: Ich bin geboren im LK Stade und lebe auch dort, genauer im Lande Kehdingen, 49 Jahre und betreibe seit 2 Jahren Ahnenforschung.
    Ich bin nun auf den Familiennamen Heidorn, in direkter Ahnenlinie, in den Kirchenbuchabschriften ,Assel, gestossen.
    Dort wird genannt: Matthias Heydorn, Sohn des Matthias Heidorn ,Kötner auf dem Heidgraben / Uetersen in Holsteinischen und dessen Frau Gesa geb. Suhren, copulirt Mette Völckers in der Kirche zu Assel 18.Februar 1816. ( Anmerkung: Der Sohn Matthias
    Heydorn ist am 29.April an der Brustkrankheit auf dem Ritschermoor verstorben.) Meine Frage: haben sie Daten zu den Eltern Matthias Heidorn bzw Gesa Suhren? Ich sage Danke für ihre Bemühungen und wenn sie noch Fragen haben sollten zu den Heidorns in Kehdingen bin ich gerne bereit ihnen da weiterzuhelfen. Mit freundlichen Grüßen

  • Regine Heidorn am The Aftermath 21, 3181, 20:42

    Es freut mich sehr, daß die Nachrichten über die Familie Heidorn zu weiteren Verknüpfungen führen, ich hoffe, die bisherigen Kommentare einmal gut zusammenführen zu können. Bislang habe ich jedoch nicht mehr Information, als hier im Blog veröffentlicht ist. Der Verfasser der Nachrichten muss eine umfangreiche Datenbank gehabt haben, die aber wohl nicht mehr auffindbar ist, soweit ich seine Nachkommen verstanden habe ...

  • Roel Zuidema am Chaos 65, 3183, 11:02

    Ich schreibe eine Familiengeschichte für meinen Schwiegervater aus Amsterdam (Holland). Sein Vater hat im 2. Weltkrieg bij Johann Heidorn in Hamburg-Altena gewohnt, am Bahrenfelder Chaussee 97. Er hat mit seinem LKW für die firma Heidorn gearbeitet. Gibt es noch leute aus diese Familie die ich kontaktieren kann?

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